Schweizer Datenökosystem: Fünf Erfolgsfaktoren im Fokus
Eine neue Studie der Berner Fachhochschule im Auftrag der Swiss Data Alliance und digitalswitzerland zeigt, dass in der Schweiz zwar über hundert Initiativen zum Datenaustausch bestehen, ihr volles Potenzial aber bei weitem nicht ausgeschöpft wird. Entscheidend für den Erfolg sind der Fokus auf konkrete Anwendungsfälle, verlässliche Rahmenbedingungen sowie die Qualität der Daten. Die Studie identifiziert fünf Schlüsselfaktoren, um das Teilen von Daten zu fördern und somit die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zu stärken.
Daten spielen eine zentrale Rolle bei der Lösung komplexer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen, von der Gesundheit über die Mobilität bis hin zur Energieversorgung. Doch ein Grossteil der Daten in der Schweiz bleibt unzugänglich und für innovative Zwecke wie die Entwicklung vertrauenswürdiger KI-Anwendungen schwer nutzbar. Der Zugang zu qualitativ hochwertigen Datensätzen ist heute ein entscheidender Faktor für die globale Wettbewerbsfähigkeit und ein struktureller Engpass für Innovation geworden.
Als grösstes Problem nennt die Studie die Datenqualität. Weitere zentrale Hürden sind die Sicherstellung des laufenden Betriebs und die nachhaltige Finanzierung. Zudem wird die Beteiligung des Privatsektors als unzureichend eingeschätzt, und das grosse Potenzial von Daten, die für KI-Anwendungen entscheidend sind, bleibt weitgehend ungenutzt. Um diese Hürden zu überwinden und das immense Potenzial von Daten zu nutzen, leiten die Autoren der Studie fünf zentrale Erfolgsfaktoren ab.
Schritte zu einem erfolgreichen Schweizer Datenökosystem
Mehrwert durch konkrete Anwendungsfälle aufzeigen
Um das nötige gemeinsame Verständnis in Politik und Öffentlichkeit zu schaffen, braucht es konkrete Anwendungsfälle, die den klaren Nutzen von geteilten Daten aufzeigen. Ein Beispiel ist die Nutzung aktueller Daten zur Strasseninfrastruktur und Verkehrslage, um Rettungskräften ein effizienteres Routing zu ermöglichen und so Menschenleben zu retten.
Daten als qualitativ hochwertiges Produkt betrachten
Daten müssen als auffindbare, zugängliche und nutzbare Produkte behandelt werden. Dies erfordert nicht nur standardisierte Formate, sondern auch eine präzise Dokumentation von Herkunft, Qualität und Nutzungsbedingungen. Übergreifende Datenqualitätsstandards könnte hier das Vertrauen stärken und die Zusammenarbeit fördern.
Eine nationale digitale Basisinfrastruktur bereitstellen
Ähnlich wie Strassen oder Schienennetze ist eine öffentliche digitale Infrastruktur («Digital Public Infrastructure») für eine funktionierende Wirtschaft und Gesellschaft unerlässlich. Diese sollte grundlegende, hochwertige Datensätze (z.B. Geo- oder Registerdaten) als öffentliches Gut bereitstellen, um Innovationen, gerade auch für KMU, zu fördern. Ein zentraler Baustein dieser Infrastruktur sind sichere digitale Identitäten, nicht nur für Personen, sondern auch für Organisationen, um Vertrauen im Datenraum zu schaffen.
Verlässliche und einfache Rahmenbedingungen schaffen
Die beteiligten Akteure benötigen langfristig stabile rechtliche, finanzielle und technische Rahmenbedingungen. Rechtsunsicherheit erhöht die Kosten, was insbesondere kleinere Unternehmen hemmt. Es ist daher entscheidend, die Regeln zu vereinfachen und zu harmonisieren, um Rechtssicherheit zu fördern und den Innovationsfokus zu stärken.
Anreize für die Zusammenarbeit schaffen
Um die unzureichende Beteiligung des Privatsektors zu erhöhen, sind effektive Anreizmodelle für Datenanbieter entscheidend - sei es durch finanzielle Vergütung, Reziprozität oder den Zugang zu Analysen, die aus den geteilten Daten gewonnen werden. Um die Bedenken von Unternehmen zu mindern, sollten rechtliche Unsicherheiten für das Zusammenschliessen von Daten («Data Commons») für strategische Zwecke wie das Training von KI-Modellen verringert werden. Neutrale Vermittler können als Brückenbauer fungieren, indem sie Datenanbieter und -nutzer zusammenbringen und bei der Einhaltung von Regeln unterstützen.
Die Studie kommt zum Schluss, dass Unternehmen, Verwaltungen, Forschungsinstitutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen gemeinsam in den Aufbau eines Schweizer Datenökosystems investieren müssen, um dessen Potenzial zu entfalten.
Die Studienergebnisse werden am 2. September 2025 im Rahmen des öffentlichen Swiss Data Space Forums an der Hochschule Luzern in Rotkreuz präsentiert und zur Diskussion gestellt.